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Etwas über 70 Personen waren gestern Sonntag, 28. April bei der 2. Austragung der botanischliterarischkulinarischen Gartenspaziergänge mit dabei.

Die Aufmerksamkeit galt ganz dem Malus domestica, dem Apfelbaum, als Sinnbild für Erkenntnis und Verführung. Das Programm wurde von zwei Mostindern (Thurgauer) und „Apfelexperten“ bestritten: dem Klostergärtner Br. Paul Mathis und dem Gehdichter Christian Kaiser. Zum Apéro gibt es jeweils exklusive Leckereien, die nur für diesen Anlass hergestellt werden. Gestern waren das mit Schokolade überzogene Öpfelstückli aus der Apfelpergola („Fallgold“) und Apfelkuchen von unserem Konditor Br. Josef Dähler.

Der nächste Gartenspaziergang zum Thema „Sommer“ findet statt am: 
Samstag, 15. Juni 2019
Besuch bei Frau Holle
Weisse Pracht kündet vom Sommer: Holunderblüten, Schneebälle & Co.

 

einmal sollte man sich als apfel bemühen
möglichst weit vom stamm zu fallen
elender stammbaum baumstamm du
ich will hier nur weg weg vom bauernstand
mit seinen stierennacken und schweinezüchterpranken
die fast bis auf den boden hängen beim gehen
der apfel fällt nicht weit … das ich nicht lach
ich pisse auf die sippe ich bin weder vetter noch
vater auch wenn ich einen bart trage wie sie
bin nicht mein grossvater selbst wenn ich seinen
namen trage und sein wappen auch nicht mein
urgrossvater selbst wenn wir vom selben bürgerort
kommen au weia au im hinterthurgau au weia
ärmste gemeinde im kanton waren wohl
leibeigene des klosters bevor sie freie obstbauern
wurden in mostindien und saft tranken und schnaps
brannten und apfelbäume pflanzten für ihre
nachkommen und harasse und ladewagen und anhänger
und fässer füllten mit fallobst und obstabfall
einmal sollte man sich bemühen möglichst weit
vom stamm zu fallen will nichts zu tun haben
mit holz oder brettern aus bäumen wie mein alter
nichts wissen von viehzucht und kuhhändeln wie
sie der seinige betrieb einmal im leben sollte man sich
bemühen möglichst weit vom stamm zu fallen
drum wurd ich dichter und denker und will sein
wie der apfel der hier ganz aussen am ast hängt
drum werde ich pate dieses knorrigen baumes
hier an der ecke und an seinem stamm soll stehen
einmal sollte man sich als apfel bemühen
möglichst weit vom stamm zu fallen
und auf diesen spruch halte ich als
pate das patent!

und trotzdem ist es gut
wenn man seine wurzeln kennt
und der stamm noch saft hat
so dass man ab und zu
etwas ganz neues aufpropfen kann
das dann auch auf dem alten stamm
wachsen kann und dessen frucht
auch ruhig fallen darf
nicht weit vom stamm

Christian Kaiser