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Gedanken zum Karfreitag
Br. Beat Pfammatter

 «Ecce Homo

Weniger als die Hoffnung auf ihn
das ist der Mensch
einarmig
immer

Nur der Gekreuzigte
beide Arme
weit offen
der Hier-bin-Ich» Hilde Domin

Wer das Kreuz umfasst, blickt zu einem auf, der ihn nicht anschaut,
sondern selber emporstarrt zu Gott, der ihn verlassen hat.
Und so zieht er unsere Gottverlassenheit hinauf in seine grosse.

Die Worte, die er noch sprach, bevor es mit ihm zu Ende ging:
dass der Vater allen verzeihen möge, weil sie nicht wissen, was sie tun,
und dass er seine Seele in die Hände Gottes lege,
und dass man heute mit ihm im Paradies sein kann,
und dass er schrecklichen Durst habe,
und dass es nun vollbracht sei…
Diese seine Worte haben Sinn und Kraft, weil er weiss,
was Verlassenheit ist.

Karfreitag ist für dich und für mich,
für das Leiden der Erde,
für die Wunde dieser Welt.

Warum?
Warum stirbt Jesus mit dem Warum auf seinen Lippen?
Jesus stirbt mit diesem Warum, weil er das ganze Warum,
das ewige Warum der Welt in sich hinein nimmt,
in Gott hinein nimmt.

er kruzifixiert
damit wir ganz gelöst sind
er entblösst
damit wir uns nicht zu schämen brauchen
er zur schau gestellt
damit wir uns sehen lassen können
er unser notnagel
damit wir nicht abstürzen
er gescheitert gestorben
damit wir unsere zerbrechlichkeit leben können“ Andreas Knapp, Karfreitag 

Im Kreuz,
im Leiden Jesu ist der Gotteskern freigelegt: Gottes Liebe!
„Zärtlichkeit: je vollkommener sie ist, desto verletzbarer ist sie auch.
Sie nimmt den Schmerz in sich auf.
Der Schmerz Gottes ist darum der vollkommenste Ausdruck seiner Liebe.“ (Herkunft unbekannt)

So weit geht die Allmacht, dass sie in den Tod gehen kann,
dass sie Ohnmacht wird unendlich – im Augenblick des Sterbens.
„Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist.“
Aber der Vater ist ja in ihm!
„Wer mich sieht, sieht den Vater“, hat er gesagt.

Er ist der Trost der ganzen Welt.
In den Welt-Schmerz stirbt er hinein,
in den Schmerz der Flüchtlinge,
die vor den Toren Europas am Verzweifeln sind,

in den Schmerz der einsamen und alten Menschen,
die in diesen Tagen alleine sterben müssen,

in den Schmerz der Trauernden,
die sich von ihren Liebsten nicht verabschieden können,

in die Ohnmacht der Pflegenden und Ärzte,
die nicht mehr ein noch aus wissen,

in den Schmerz der Hungernden,
der Eingesperrten, Getretenen, Verachteten, Vergessenen…

und auch in mich stirbt er hinein,
auch in meinen Schmerz und in meine Wunden,
in meine Angst und Ohnmacht,
in mein Klagen und Hoffen
in …

„Deine Liebe aber
brennt nicht aus

Deine ausgebreiteten Arme
Kraftfeld zu dir hin

Dein letzter Blick
offen wie eine Wunde

Im Verschmachten noch
Ich bin für euch da“ nach Andreas Knapp, Passion

Diesem «Ich bin für euch da!» will ich vertrauen und glauben,
dass irgendwo in allem Leid ein Sinn zu finden sein wird,
und dass der Stein weggewälzt sein wird,
und das Grab offen und leer
«als Zeichen für die Abwesenheit und Anwesenheit Gottes zugleich.»