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Br. Josef Hollenstein (Bild: zentralplus)
Br. Josef Hollenstein (Bild: zentralplus)

Der 70-jährige Josef Hollenstein erzählt, wie er den Weg in den Orden gefunden hat. Eine Ladung Mist spielt eine Rolle und die Zeit als Gymnasiast in einer von Kapuzinern geleiteten Schule.

In meiner frühen Jugend wohnten wir in der Nähe des Kapuzinerkloster Wil. Mein Vater brachte regelmässig Mist für den Klostergarten. Ich freute mich riesig mitfahren zu können. Nicht nur um zu sehen, was hinter den Klostermauern verborgen war, sondern vor allem auf die Begegnung mit den Klostergärtner. Er war ein sehr freundlicher Bruder und verstand es, Kinder anzusprechen. Für die Mistbringer hatte er immer ein schmackhaftes Zvieri bereit. Er war für mich ein Hinweis, wie man froh und zufrieden sein Leben gestalten kann.

Im Gymnasium in Appenzell merkte ich, dass die Kapuziner nicht nur Gärtner, sondern auch hervorragende Lehrer sind. Als Schüler lernte ich den unterschiedlichen Charakter dieser Männer kennen. Auch wenn ich nicht alle ihre Eigenschaften gleich schätzte, sie überzeugten mich durch ihre Aufrichtigkeit und ihre Einfachheit. Ohne aufdringlich zu sein, strahlten sie den Geist des Franz von Assisi aus. Das beeindruckte mich.

„Jungindianer“
Den Geist des Franz von Assisi erlebte ich damals auch in der franziskanischen Jugend-gruppe. Sie trug den Namen „Jung-Tertiaren“. Dieser Name war nicht ohne weiteres verständlich. Aus der Region St. Gallen fuhren wir als Gruppe zu einen Treffen in der Innerschweiz. Auf dem Bahnhof erklang mit blechener Stimme aus den Lautsprechern: Für die „Jungindianer“ sind Plätze im hintersten Wagen reseviert!

Mit diesen „Jungindianern“ durfte ich als siebzehnjähriger an einer Reise nach Assisi teilnehmen. Mit hundertfünfzig jungen Frauen und Männern habe ich an den Orten, wo Franziskus gelebt hat, seinen Geist auf besondere Weise gespürt. Das hat in mir wegweisende Spuren hinterlassen. Wäre der Weg dieses Heiligen nicht ein Weg auch für mich? Mehrere haben in dieser Woche ihre Lebenspartnerin oder ihren Lebenspartner gefunden. Für mich waren diese Tage eine wichtige Erfahrung, um mich für den Weg eines Kapuziners zu entscheiden.

Begeisterte Frauen und Männer
Kapuziner, franziskanisch begeisterte Frauen und Männer waren für mich ein Wegweiser. In Laufe meines Lebens bin ich vielen Menschen begegnet, die mich auf dem eingeschlagenen Weg unterstützt haben. Ich traf Menschen, die auf der inneren Suche waren. Ich bin mit Menschen in Lebenskrisen ins Gespräch gekommen. Ich pflegte Umgang mit Menschen, die vom kirchlichen Umfeld weggewachsen waren.

„Bringt dich das nicht eine Glaubenskrise?“, fragte mich jemand. Im Gegenteil. Suchende Menschen, Mensch, die aus innere Überzeugung ihr Leben so gestalten, wie sie er verant-worten können, haben meinen eigenen Glauben vertieft und gestärkt. Ich habe gespürt, wie Menschen ohne grosse Worte ähnlich wie Franz von Assisi ihren Weg gehen. Oft tun sie das, nach aussen vielleicht gar nicht sichtbar, in einem tiefen Vertrauen auf Gott.

Solche Menschen sind für mich eine wertvolle Stütze, meinen eigenen Weg mit Vertrauen auf Gott zu gehen. Für alle diese Menschen bin ich dankbar. Für den Kapuzinergärtner, für die Gruppe der „Jungindianer“, für alle die Menschen, die mir durch ihre Lebensgestaltung, bewusst oder unbewusst, Wegweiser geworden sind oder noch sind.

 

Br. Josef Hollenstein, Kapuziner