courtesy

29.08.2016 – ein Blogbeitrag von Walter Ludin

Welche Wörter wir gebrauchen, sei völlig egal. Dies meint die philosophische Schule der Nominalisten. Begriffe seien eh nur «Windhauch/flatus vocis».

Wenn wir aber die Flüchtlingskrise anschauen, werden wir eines Bessern belehrt. Wer zu uns flüchtete, war früher schlicht und einfach ein «Flüchtling» und wurde gastfreundlich aufgenommen; zum Beispiel 1956 die Ungarn und 1968 die Tschechoslowaken.

Doch wenig später lösten sich die Sympathien für Flüchtende weitgehend in Luft auf. Die Begriffe änderten sich. Vor etwa 25 Jahren fiel mir beim Lesen deutscher Zeitungen und Zeitschriften auf, dass immer öfter von «Asylanten» gesprochen wurde. Dazu Wikipedia: «Begriff Asylant wird gelegentlich als abwertend empfunden und von Behörden nicht verwendet.»

Tatsächlich: Das Wort «Asylant» hat vielfach einen negativen Beigeschmack. Es lässt Querulanten denken, an Simulanten und dergleichen.

Kürzlich schlug ein Leserbriefschreiber in der Neuen Luzerner Zeitung den Begriff «Heimatvertriebene» vor. Diese haben «alles verloren». «Alles, was ihnen lieb und heilig ist», mussten sie zuhause zurücklassen. Wir sollten den Begriff «h e i m a t v e r t r i e b e n» buchstabieren und bekämen damit vielleicht «doch ein bisschen Verständnis» für ihre Lage. Ein sehr guter Vorschlag, meine ich.

PS: Was ist mit den «Wirtschaftsflüchtlingen»? Dazu nur so viel: Wer kennt eine Familie, die nicht wenigstens einen Verwandten hat, der etwa im 18. Jahrhundert wegen wirtschaftlicher Not auswandern musste?