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„Bleib an unserer Seite“
Monika Schmid

Es ist der dritte Sonntag ohne Pfarreigottesdienst. Mir fehlen die Kirchenglocken, die Menschen, die Musik, das Singen, beten und Brot brechen. Wieder eine Woche mit vielen traurigen Nachrichten.

Bilder aus Norditalien. Militärlastwagen bringen die verstorbenen Menschen in umliegende Krematorien. Sarg an Sarg in Kirchen. Niemand kann Abschied nehmen. So viele Tote, so viele Schicksale, Familien, Tränen und die Frage: Warum? Fast zynisch kommt die heutige Lesung und das Evangelium in dieses Sterben hinein. Vom Propheten Ezechiel hören wir: «Ich öffne eure Gräber und hole euch heraus.» Jesus sagt zum Tod seines Freundes Lazarus: «Er schläft nur!» Dabei ist er schon vier Tage tot. Maria und Martha sind verzweifelt: «Wärest du hier gewesen, dann wäre er nicht gestorben.»

Wo bist du Jesus in all diesem Sterben rund um uns? Und damit meine ich nicht nur das Sterben durch Corona. Menschen sterben zu tausenden an Hunger, täglich 8500 Kinder, im Krieg auf der Flucht. Wo bist du und wo sind wir?

Wenn der Tod so nahe kommt wie jetzt, dann sind wir erschüttert. Und diese grosse Ohnmacht, die einen fast erdrückt… _Wir wissen um die überfüllten Flüchtlingscamps, um den Hunger in der Welt. Ich kann mich einsetzen für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen, mich einsetzen für gute Bedingungen. Ich kann Hilfsprojekte unterstützen. Aber ist es das, ist das genug? Mein: „Ich weiss es nicht», klingt wie ein Schrei.

Auch Jesus weinte und war erschüttert, als er die Trauer sah, die Tränen von Martha und Maria. Er geht nicht vorüber. Er holt Lazarus aus dem Grab. «Nehmt ihm die Binden ab und lasst ihn gehen.» Nein, Lazarus kommt nicht einfach zurück in dieses Leben. Es geht um ein neues Sehen: «Befreit ihn von dem was war, von dem was ihn noch an euch bindet, was euch an ihn bindet und lasst ihn gehen.»

Jesus lässt sich ein auf die Trauer der Trauernden, er geht nicht vorüber, er bleibt, bis sie den Verstorbenen gehen lassen können.

Darum bitte ich in meinem Beten, dass ich fähig bin, wenn Trauer und Schmerz an mich herantreten, bis zum Licht zu sehen.
Darum bitte ich, offene Augen und Ohren zu haben für die Menschen um mich, für ihr Leid, ihre Angst, ihre Sorgen und Not.
Darum bitte ich, um die Kraft die Hoffnung wach zu halten, Hoffnung auf Leben für alle und aus dieser Hoffnung möchte ich leben, glauben und handeln.

Lass mich nicht vorbeigehen, an keiner Not
und bleib an meiner Seite, Jesus mein Christus.

Monika Schmid, Gemeindeleiterin Effretikon 

 

 

Evangeliumstext (Kurzfassung Joh 11, 3-7.17.20-27.33b-45)
In jener Zeit sandten die Schwestern des Lázarus Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Jesus liebte aber Marta, ihre Schwestern und Lázarus. Als er hörte, dass Lázarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen.
Als Jesus ankam, fand er Lázarus schon vier Tage im Grab liegen. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen.
Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Jesus war im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus.
Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war.
Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg.
Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.