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Wesemlin bedeutet kleiner Wasen, kleines Wiesengrundstück. Vor 400 Jahren war das Wesemlin, heute Wohnquartier der ausufernden Stadt Luzern, eine landwirtschaftliche Nutzfläche, die zum grössten Teil den beiden zerstrittenen Vettern Kaspar und Jost Pfyffer gehörte. Zwischen ihren Hofhäusern stand eine kleine Kapelle, von Vater und Sohn Mauriz von Mettenwyl errichtet und 1556 geweiht. Der Vater hatte hier am Pfingstabend 1531, mitten in den Nöten der von Zürich und Bern über die katholischen Orte verhängten Proviantsperre, eine Vision. Über dem mutwillig zerstörten Bildstock und der halb zerschlagenen spätgotischen Marienstatue erschien ihm Maria, das Jesuskind auf den Armen, von der Sonne umkleidet, den Mond zu Füsse. Die Erscheinung wiederholte sich am folgenden Abend, blieb aber am dritten Tag aus, als eine grosse Volksschar heraufgestiegen war, um die Erscheinung mitzuerleben.
Der Historiker kann den durch die Jahrhunderte bezeugten Glauben an diese Erscheinung feststellen, die Tatsache der Erscheinung lässt sich weder beweisen noch ohne Vorurteil ableugnen.

Die Marienstatue wurde wieder hergestellt, die Kapelle neu und grösser errichtet, später in die Klosterkirche integriert. Seit 1909 nimmt das Gnadenbild, die Marienstatue, früher hoch oben am Chorbogen, die Mitte des Hochaltares ein.

Im Gedenken an die Marienerscheinung findet jedes Jahr am letzten Sonntag des Marienenmonates Oktober eine Lichterprozession von der Hofkirche zum Marienheiligtum auf dem Wesemlin statt.

Bild: Marienerscheinung auf dem Wesemlin zwischen 1531-1566