courtesy
bp
bp

Gedanken zum 2. Sonntag der Osterzeit
Monika Schmid

Biblischer Text: Johannes 20, 19 – 31

Durch verschlossene Türen tritt Christus in die Mitte seiner Freund*innen. Zaghaft weicht die Angst aus den Herzen. Nur Thomas ist nicht dabei.

Es ist Ostern geworden. Ich staune, was da geschieht ohne unser Zutun. Noch ist man im Karfreitag und denkt: «Dieses Jahr wird es nicht Ostern.» Und doch es geschieht. Die Energie wandelt sich, es geschieht mit mir, mit uns… Ganz fein, ganz sachte bricht das Neue auf. 

Auch die Freunde*innen von Jesus machen diese Erfahrung. Aus Angst haben sie die Türen verschlossen. Die bange Frage: «Was wird jetzt mit uns?» Ihre Hoffnungen zerstört, IHR Jesus elendiglich umgebracht. Einige wenige haben erzählt, sie hätten ihn «gesehen». Was heisst das? Lebt er? Nein, er ist kein Stehaufmännchen. Er kommt nicht einfach zurück, dann hätten ihn ja alle gesehen, alles wie vorher?
Nein, dieser Tod, diese Krise hat sie alle verändert. Jesus ist tot, aber seine Kraft, seine Liebe…
Da ist ein Band, das Himmel und Erde verbindet.
Er steht in ihrer Mitte trotz verschlossener Türen, seine Kraft, die Geistkraft Gottes. Ruach! 

Friede, im Himmel und auf der Erde, allen Menschen, die offen sind dafür.
Sie erzählen davon, tief im Herzen haben sie IHN erfahren, den Lebendigen, das Tödliche ist überwunden. Die Angst weicht, Hoffnung tritt an ihre Stelle und eine stille Kraft. Es geschieht…
Thomas ist nicht da. Soll er nun glauben, was die andern erzählen? Damit gibt er sich nicht zufrieden. Glauben kann man nicht vom «Hörensagen». 

Man hat dir den Beinamen «Zweifler» gegeben, Thomas, was für ein Unsinn. Typisch katholisch. Nur ja nicht selber die Glaubenserfahrung machen, wo kämen wir hin, wenn jede und jeder selber… Nein, auf gut katholisch heisst glauben: «Für wahr halten, was das Lehramt sagt.» Ein vorgekauter Glaube, völlig ungefährlich für die Herren dort oben. Nur habe sie die Rechnung ohne dich gemacht Thomas. 

Ich bin dir so dankbar für dein Suchen und Fragen, für dein Herantasten. So wie Maria nach Jesus suchte und ihn als Christus erkennt, so willst du nach IHM suchen. Deine Hände in die Wunden legen, dorthin, wo das Leid dich und uns heimsucht. Gerade in den Wunden wird noch einmal offenbar wer Jesus ist, einer, ganz Mensch mit den Menschen, mit den Leidenden. Keiner von oben herab. 

Dort in den Wunden, im Zugrunde gehen, auf dem Grund deiner selbst, wirst du IHM begegnen. Nimm mich mit Thomas, damit wir zusammen sagen können aus tiefstem Herzen: «Mein Herr und mein Gott!» 

Monika Schmid, Gemeindeleiterin in Effretikon