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Der Herbst färbt die Blätter der Bäume und Sträucher zu einem bunten Meer. In Grün-,Gelb-, Braun- und Rottönen tauchen in der Landschaft die Farben auf und ab. Dieses Wechselspiel der Farben regt an, über das Leben nachzudenken, wie es sich in der Natur widerspiegelt.

Herbst ist für viele Menschen auch eine schwierige Jahreszeit, weil die Vergänglichkeit, der unausweichliche Wandel deutlich vor Augen geführt wird. Und manchen drängt sich der Wunsch auf, die Wärme und das Lichtvolle des Sommers halten zu können. Dieser Wunsch ist durchaus verständlich, taugt aber nicht. R. M. Rilke benennt in einem Gedicht die Gefahr dieses Wunsches: „Was sich ins Bleiben verschliesst, schon ist`s das Erstarrte;“.Sich dem Wandel der Jahreszeiten und Lebensphasen zu verweigern bedeutet, den Lebensfluss zu unterbrechen und im Blick auf das Vergangene zu erstarren.
Im gleichen Text führt Rilke schon am Anfang programmatisch auf, welche innere Haltung ein Ausweg sein könnte: „Wolle die Wandlung. O sei für die Flamme begeistert…“. 

„Wolle die Wandlung“
Das könnte bedeuten, Veränderung und Wandel anzunehmen, nicht am Bestehenden festzuhalten. Sich in den verschiedenen Lebensbereichen und Lebensphasen ins Neue, manchmal auch Fremde und Herausfordernde, hinein locken zu lassen. In der bunten Mischung der Lebensfarben, wie sich diese jetzt zeigen, das Belebende, Weiterführende und Bereichernde entdecken lernen. Dabei gilt es vor allem die Schönheiten und die Chancen im Neuen wahrzunehmen und auch zu geniessen. Dies verlangt Mut, das Gewesene frei zu geben und sich vertrauensvoll auf neue Erfahrungen einzulassen.

„O sei für die Flamme begeistert“
Der Herbst ist der Monat der fallenden Blätter. Vor ihrem Herabfallen von den Bäumen und Sträuchern zeigen sie noch einmal, was alles in ihnen steckt, bekennen sie noch einmal Farbe, machen sie die Welt noch einmal flammend bunt. Unser ganzes Leben ist ein Fallen und Vergehen und wir sind eingeladen, in diesem Fallen und Vergehen unsere je eigenen Lebensfarben, die Begeisterung für das Leben, aufleuchten zu lassen. Und in diesem Aufleuchten sind wir „unendlich gehalten“, so heisst es in einem anderen Gedicht von Rilke:

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit, (…)
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Ich wünsche uns, dass wir unsere Wandlungswege herbstlich bunt gestalten und die Begeisterung für die Flamme, das Geheimnis des Lebens – Gott – bewahren können!