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Kloster Wesemlin mit Kapuzinergarten

Siegerprojekt für die Gestaltung des Klostergartens

von Appert Zwahlen Partner

Oase-W – Besinnlicher Klostergarten

Der Garten des Kloster Wesemlin war in der Vergangenheit für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und als eine Art entrückter Freiraum fürs Quartier nicht nutzbar. Mit dem Projekt OASE-W und der damit verbundenen Öffnung für klosternahes Wohnen sowie der Bereitstellung von Gewerbeflächen wird auch der Garten erlebbarer Teil des Quartiers. Der Garten als Abbild des klösterlichen Lebens, Nutzgarten, Ort für Kontemplation und letzte Ruhstätte, bleibt in seiner Grundstruktur erhalten. Es entsteht eine Art Ambivalenz zwischen sakraler Geschichte und der Durchmischung mit profanen Nutzungen, welche als Spannungsbogen der Anlage eigen wird. Die sensible städtebauliche Setzung des Neubaus thematisiert eben diese Überlagerung auf spannende Weise.

Mit der Öffnung des Gartens einher geht das Bedürfnis, die Anlage für spirituelle Erlebnisse szenographisch zu bespielen. Das vorliegende Gartenkonzept versteht sich als räumliche und atmosphärische Grundstruktur, die eine weiterführende szenographische Inszenierung rahmen könnte, diese jedoch nicht bedarf. Mit Zurückhaltung und Bescheidenheit werden die vorgefundenen Elemente aufgenommen und weiterentwickelt, um den Garten als sinnlich erfahrbaren Raum und als Ort für Spiritualität zu fördern. Die Schaffung eines neuen Rundwegs führt den Besucher durch alle Gartenbereiche und lässt so das klösterliche und weltliche Leben im Garten in Dialog treten. Thematisch werden 3 Bereiche unterschieden, die klosternahe Umgebung, der Park und das Wäldchen mit dem neuen Wohnbau.

Klosternahe Umgebung

Im südlichen Vorbereich des Klosters werden die heute bestehenden Elemente aufgenommen und sinnfällig ergänzt. Geschnittene Hecken aus Kornellkirsch (Cornus mas) begleiten die Wegeflächen und schaffen gleichzeitig einen „geschützten“ Raum als Freifläche für die Brüder vor dem Refektorium. Schirmförmig geschnittene Amberbäume (Liquidambar styraciflua) bieten den Brüdern schattige Aufenthaltsbereiche.

Der bestehende Friedhof westlich des Klostergebäudes wird optional Richtung Garten erweitert. Den Grabfeldern vorgelagerte Plätze werden mit frei angeordneten, malerischen Hartriegel (Cornus Florida) bepflanzt und dienen der Kontemplation und Besinnung.

Der bestehende Wandelgang aus Obstbäumen bildet den Rahmen für den gemeinschaftlichen Quartiergarten. Die bestehenden Kulturflächen werden, formal in klösterliche Strenge, wieder aktiviert. Mittelpunkt und Treffpunkt bildet ein Gartenpavillon. Gartengeräte können hier untergestellt werden. Der Quartier-Verein beispielsweise, kümmert sich um die Organisation.

Die bestehende Scheune bleibt an ihrem ursprünglichen Ort erhalten und steht so in direkten Bezug zum Kloster. Eine Gartenkirche ergänzt das spirituelle „Angebot“.

Park

Vom Vorplatz aus erschliesst sich der Mauerweg. Dieser wird in Landschaftsgartenmanier sorgfältig inszeniert. Der bestehende dunkle Gehölzsaum macht diesen zu einem mystischen Ort. Er bildet so den Gegensatz zur offenen Wiesenfläche, welche in der Stadt einen Ort schafft unter dem offenen, freien Himmel zu verweilen. Innerhalb des Gehölzsaums werden einzelne Gehölze entfernt, um Orte mit Ausblick auf den Garten zu schaffen. Der bestehende Weiher bleibt in seiner Substanz erhalten. Ein Holzdeck schafft in einer beengten räumlichen Situation einen Aufenthaltsbereich mit Bezug zum Wasser und freier Sicht in den Park. Die Kreuzwegtafeln an der Mauer bleiben erhalten.

Wäldchen

Das bestehende Wäldchen wird in seiner Ausprägung als Element im Garten gestärkt und substanziell mit Linden, Ahorn und Buchen ergänzt. Neupflanzungen gliedern die Parkanlage räumlich differenziert und schaffen für den Neubau eine eigenständige Lage im Park. Die Umgebung des Neubaus mit Zufahrt und Parkplatzflächen (2 PW) ordnet sich die Gesamtanlage unter. Das Wegenetz wird parkartig entwickelt. Nebst den befestigten Hauptwegen entstehen informelle Trampelpfade im Wald und auf der Wiese. Ein Wasserspiegel im Wald bildet einen Kristallisationspunkt für künftige spirituelle Inszenierungen.

Gehölze

Gemäss Liste der Stadtgärtnerei Luzern werden die mit x bezeichneten Gehölze entfernt und nicht ersetzt. Die aufgrund des Konzeptes zu fällenden Bäume werden insbesondere im Bereich des Wäldchens ersetzt. Im Koniferensaum entlang des Mauerweges sollten, zur Schaffung einer grösseren Vielfalt, bei Bedarf die Gehölze durch andere Arten ersetzt werden.

Kapuzinergarten
Kapuzinergarten