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bp 2020
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Christi Himmelfahrt
Monika Schmid

Augen und Ohren einiger Kirchenleute waren in den letzten Tagen nach Bern gerichtet. Wird der Bundesrat grünes Licht geben, können an Christi Himmelfahrt (endlich) wieder Gottesdienste gefeiert werden? Einige möchten so schnell wie möglich in die sogenannte Normalität zurück.
Doch die Kirchen werden leer bleiben. An Auffahrt noch keine Gottesdienste. Verschwörungstheorien werden gesponnen. Die katholische Kirche in Gefahr. Weltliche, üble Einflüssen welche die Kirche oder gar das Christentum zugrunde richten möchten.
Als wenn es dazu äussere Einflüsse bräuchte…
Augen und Ohren der Jünger Jesu sind zwar nicht nach Bern gerichtet, sie starren ebenso unverwandt zum Himmel. Muss er nicht irgendwo da oben sein ihr Jesus, bei Gott im Himmel, aus ihrem Blickfeld emporgehoben? Engel schrecken die Männer aus ihrer Starre. „Was steht ihr da und schaut zum Himmel? Er wird wiederkommen.“
Ist er nicht schon längst da? In mir klingt ein anderes Engelswort an, das österliche: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr in finden.“ Galiläa als Symbol für den Lebensalltag der Freunde Jesu. Galiläa, da sind ihre Dörfer, ihre Familien, ihre Arbeit. Da warten die Fischernetze, die Boote.
Mitten in unserem Alltag möchte Christus wiederkommen, uns finden. Täglich, auf Schritt und Tritt ereignet sich Gottes-
dienst. Die Rundschau im Schweizer Fernsehen am Abend vor Auffahrt portraitierte eine Seelsorgerin. Sie ist unterwegs zu einem alten Ehepaar, wo der Mann seine an Demenz erkrankte Frau seit dreizehn Jahren liebevoll pflegt. Hier hört die Seelsorgerin zu, ist einfach da. Nein, sie kommt nicht um fromme Worte  zu machen oder zu beten: „Meine Arbeit ist Gebet, mein Zuhören, Unterstützen, Da-Sein. Die Pflege und Hingabe des Mannes für seine Frau, das ist Gottesdienst, im wahrsten Sinn des Wortes.“
Die Seelsorgerin starrt nicht nach Bern. Wenn es nach ihr geht, eilt es nicht mit dem Öffnen der Kirchen für Gottesdienste. Ihr Gottesdienst ist bei den Menschen da draussen.
„Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende aller Zeit“, das ist die Jesuanische Zusage am Auffahrtstag. Himmel ist da, wo Menschen diese Nähe Jesu leben, Tag für Tag.