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„Wir sitzen nicht auf dem Trockenen“
Monika Schmid

Nichts ist mehr wie es war. Die Welt steht Kopf. Corona schliesst Grenzen und verordnet Vereinzelung. Wir sind aus dem Alltag hinauskatapultiert, auch aus den kirchlichen Gewohnheiten. Wir sitzen buchstäblich auf dem Trockenen. Kein Gottesdienst, kein Brotbrechen, keine Gemeinschaft, kein Händedruck, keine Nähe, nur viele Fragen und Ängste. Menschen stehen an den Grenzen zu Europa, vertrieben aus Kriegsgebieten und alle 10 Sekunden verhungert ein Kind derweil wir einkaufen was das Zeug hält. Die Welt steht Kopf. Wir sitzen auf dem Trockenen.

Im Evangelium zum heutigen Sonntag steht ein Brunnen im Zentrum. Eine Frau geht, um Wasser zu schöpfen, als sie auf Jesus trifft. Jesus ist müde und durstig und er zeigt dieser Frau seine Bedürftigkeit. Er bittet um Wasser! Wie kann er nur, einer Frau, die erst noch aus einer andern (verfeindeten) Volks- bzw. religiösen Gruppe stammt, seine Bedürftigkeit offenbaren. Hier am Brunnen möchte er einen Augenblick ausruhen und seinen Durst stillen. Der Text lässt offen, ob Jesus zu seinem Becher Wasser kommt. Doch ich bin überzeugt, diese Frau lässt Jesus nicht auf dem Trockenen sitzen. Sie schöpft Wasser und reicht Jesus einen Becher und so kommen sie ins Gespräch.

Sie reden über ihre Bedürftigkeiten, über das, was sie wirklich bewegt und ganz tief werden beide erkannt. Die Frau kann zu ihrer Bedürftigkeit stehen, der Sehnsucht einfach nur geliebt zu werden, während sie durch Jesus den erkennt, der diesen Durst, die Sucht nach dem „immer mehr und noch mehr“, stillen kann. Jesus führt die Frau zum Grund ihrer selbst zur eigenen (göttlichen) Lebensquelle .

Hinauskatapultiert aus den Gewohnheiten des Alltages, auch aus kirchlichen Gewohnheiten, führt uns der heutige Sonntag an einen Brunnen, ins Zwiegespräch mit Jesus dem Christus.

Auf meinem Tisch steht ein Krug mit frischem Wasser, ein Becher, eine Kerze brennt. Ich lasse mich ein auf eine halbe Stunde Stille, halte mich hinein in göttliche Gegenwart.
In meinem Herzen alle, mit denen ich verbunden bin und alle, die ich der Liebe Gottes anvertraue.
Zuerst nehme ich einen Schluck vom frischen Wasser, voller Dankbarkeit, dass ich genügend Wasser habe, Nahrung, ein Dach über dem Kopf und soo viel mehr.

15. März 2020
Monika Schmid, GL, Effretikon