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Franziskus, neu geliked …

Was, wenn du durch deinen Feed scrollst und plötzlich einem Menschen begegnest, der seit 800 Jahren tot ist, aber erstaunlich viel über dein Leben zu sagen hat?

Mit dieser Frage begann für mich die Reise durch «Fussspuren Franziskus: Eine multimediale Annäherung» im Kapuzinerkloster Wesemlin. Es ging nicht darum, Geschichte auszustellen, sondern darum, einem Menschen neu zu begegnen. Denn eine Lebensgeschichte aus dem 13. Jahrhundert lässt sich nicht einfach in die Gegenwart kopieren. Sie braucht eine Sprache, die Menschen heute verstehen, fühlen und erleben können.

Besonders fasziniert hat mich die Station «@franziskus1226». Während wir heute Biografien oft durch Posts, Bilder und Videos kennenlernen, stellte sich plötzlich eine ungewohnte Frage: Wie würde Franziskus erscheinen, wenn er ein Social-Media-Profil hätte? Was würden seine Eltern schreiben? Wie würden Freunde, Mitbürger oder Mitbrüder auf seine Entscheidungen reagieren? Aus dieser Überlegung entstand eine digitale Biografie mit rund dreissig Beiträgen, die Franziskus und sein Umfeld lebendig werden liessen. Die Vergangenheit erschien dadurch nicht als ferne Geschichte, sondern als überraschend aktuelle Lebenswelt. Viele Besucherinnen und Besucher blieben stehen, lasen, schmunzelten und begannen, sich Franziskus als echten Menschen vorzustellen.

Ebenso eindrücklich war die Station «Die Story von Franziskus» in der Klosterkirche. Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass oft wenige prägende Geschichten genügen, um die Aufmerksamkeit von Kindern und Erwachsenen gleichermassen zu gewinnen. Deshalb rückten drei Schlüsselmomente seines Lebens ins Zentrum. Da ist der radikale Augenblick, in dem Franziskus vor dem Bischof und seinem Vater seine Kleider ablegt und alles hinter sich lässt. Da ist die Begegnung mit dem Wolf von Gubbio, eine Geschichte über Mut, Vertrauen und Versöhnung. Und da ist die Predigt zu den Vögeln, die bis heute daran erinnert, dass die ganze Schöpfung miteinander verbunden ist.

Doch wie erzählt man solche Szenen einer Generation, die mit bewegten Bildern aufgewachsen ist? Unsere Antwort waren kurze Animationsfilme. Gemeinsam entwickelten wir Drehbücher, suchten nach starken Bildern und verwandelten alte Geschichten in ein neues visuelles Erlebnis. Auf der grossen Leinwand der Klosterkirche wurden acht Jahrhunderte plötzlich erstaunlich nah. Kinder staunten, Erwachsene wurden nachdenklich, und für einen Moment schien die Zeit ihre gewohnten Grenzen zu verlieren.

Diese beiden Stationen standen zwar besonders im Mittelpunkt, doch sie waren Teil eines grösseren Ganzen. Acht Erlebnisräume führten durch das Kloster und luden dazu ein, Franziskus mit den Augen, den Ohren, dem Verstand und dem Herzen zu begegnen. Zwischen Bildwelten, Sonnengesang, Interviews, Quizgame, Meditation, Musik und persönlichen Begegnungen entstand ein Parcours, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander ins Gespräch brachte.

Am meisten berührt hat mich die Erkenntnis, dass Franziskus keine Figur aus einem verstaubten Geschichtsbuch blieb. Er wurde zu einem Menschen, der auch heute Fragen stellt: nach Einfachheit in einer komplexen Welt, nach Verbundenheit in einer Zeit permanenter Vernetzung und nach dem Mut, das eigene Leben immer wieder neu auszurichten.

Am 18. Oktober öffnen sich die Türen erneut. Wir Kapuzinerbrüder laden dich herzlich ein, diese besondere Reise selbst zu erleben. Freu dich auf 800 Sekunden voller Entdeckungen, überraschender Perspektiven und kreativer Zugänge zu Franziskus. Vielleicht begegnest du dabei nicht nur einem Heiligen aus Assisi, sondern auch einer Frage, die dich noch lange nach dem Besuch begleiten wird.

- bruder george

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