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Wo Stille wächst

Draussen verklingt der Feierabendverkehr, drinnen wartet eine Kerze auf ihr Licht.

Jeden Donnerstag öffnet sich im Kapuzinerkloster Wesemlin eine unscheinbare Tür zu einem Raum, der seit mehreren Jahren dieselbe Aufgabe erfüllt. Im Gebetschorraum der Mitbrüder versammelt sich eine Gruppe, die Stille nicht sucht, sondern pflegt – mit einer Treue, die selten geworden ist. Anfängerinnen und Anfänger sind hier keine: Wer kommt, bringt bereits Erfahrung aus Kursen, Exerzitien oder jahrelanger eigener Praxis mit. Gesucht wird keine neue Technik, sondern Vertiefung.

Der Abend folgt einem klaren Rhythmus: drei Einheiten zu je 25 Minuten, eröffnet von einem kurzen, erdverbundenen Impuls oder einer einfachen Körperübung. Kein Pathos, keine grossen Worte – nur ein sanfter Einstieg in die Tiefe. Die Teilnehmenden beschreiben das gemeinsame Schweigen als Geschenk, das sich allein zu Hause nur schwer wiederholen lässt. «Allein fällt es mir schwerer, zur Ruhe zu kommen», sagt eine Stimme aus der Runde, «die Gruppe trägt mich.» Es geht nicht um Leistung oder Produktivität, sondern um reines Dasein und das bewusste Wahrnehmen des Augenblicks.

Manche fanden über die ignatianische Spiritualität zur Meditation, andere über Zen oder die kontemplative Tradition. Was sie eint, ist die Erkenntnis, dass Meditation kein Ziel ist, das man erreicht, sondern ein Weg, der immer wieder neu begangen wird. Ein Weg, der hilft, den Alltag zu verlangsamen, bewusst zu atmen und im Hier und Jetzt anzukommen. Ob gestresste Berufstätige, junge Erwachsene oder Sportlerinnen und Sportler – offen steht die Praxis allen, die erste Grundkenntnisse mitbringen.

Wer mit den Teilnehmenden spricht, hört überraschend unterschiedliche Geschichten und Beweggründe. Die einen finden in der Gruppe leichter zur Ruhe als daheim, die anderen schätzen die Gemeinschaft als stillen Halt im Hintergrund. Wieder andere geniessen schlicht die bewusste Unterbrechung einer oft hektischen Woche. Immer wieder fällt dabei ein Wort: Wahrnehmen – des eigenen Atems, der Umgebung, dessen, was gerade ist. Viele berichten, achtsamer geworden zu sein, nicht weil sie mehr leisten, sondern weil sie bewusster leben möchten.

Besonders eindrücklich blieb bei einem Gruppentreffen das Bild der Raupe, die sich verpuppt und für eine Zeit scheinbar reglos wird. Von aussen geschieht wenig, im Verborgenen jedoch vollzieht sich Veränderung – ein Bild, das manchen erklärt, weshalb sie Donnerstag für Donnerstag den Weg auf den Wesemlin-Hügel finden. Über die Jahre ist aus einzelnen Sitzungen eine verlässliche Gemeinschaft gewachsen, getragen von Beständigkeit, gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft, regelmässig Zeit für die Stille freizuhalten. Das Angebot richtet sich ausdrücklich nicht an Einsteigerinnen und Einsteiger, sondern an Menschen mit erster Meditationserfahrung, die diese vertiefen möchten.

Wer sich angesprochen fühlt, ist herzlich eingeladen, jeden Donnerstagabend im Gebetschorraum des Kapuzinerklosters Wesemlin dazuzustossen. 

Für die Anmeldung oder bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an Sr. Maria Bühlmann unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder telefonisch unter 079 775 55 87. Nach der Kontaktaufnahme erhalten Sie weitere Informationen.

- bruder george