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Deutschschweiz

Das Kapuzinerkloster Wesemlin
Geschichte, Gegenwart, und Zukunft einer Alternativen Lebensform in der Schweiz
Maturaarbeit  von David Kunz;  Oktober 2016

David Kunz (*1998) wohnt in Urtenen-Schönbühl bei Bern. Er geht in seiner Maturaarbeit der Frage nach, mit welchen Problemen und Herausforderungen das Bestehen des Kapuzinerklosters Wesemlin zu kämpfen hat und welche Massnahmen der Kapuzinerorden trifft, um den weiteren Fortbestand des Klosters zu sichern.

David Kunz beschreibt seine Motivation zur Maturaarbeit so:

„Ein passendes Thema für meine Maturaarbeit zu finden, war für mich lange eine Aufgabe, vor der ich mich fürchtete. In Gesprächen mit Mitschülern und Abgängern von anderen Gymnasien erkannte ich jedoch den Vorteil eines persönlichen Bezuges zu dem Thema der Maturaarbeit. Mit dieser Einsicht machte ich mich daraufhin zuversichtlicher auf die Suche nach einem Thema. Schliesslich stiess ich auf das Mönchstum.
In der Vergangenheit erfuhr ich immer wieder von Mönchen, deren Werke und Taten für verschiedenste Bereiche in unserer Gesellschaft prägend waren und bis in die Gegenwart von grosser Bedeutung sind. Ich entschied mich also, grundsätzlich mehr über diese spannende Thematik des Mönchtums herausfinden zu wollen. Nach Gesprächen mit Lehrkräften diverser Fachschaften fiel meine Wahl auf das Fach Religion. Daraufhin präzisierte ich das Thema des Mönchtums auf das Untersuchen eines bestimmten Klosters und seiner Probleme, besonders im Zusammenhang mit dem jetzigen Bestehen. Aus organisatorischen Gründen kam nur ein Kloster in der Schweiz in Frage. Nach einigem Recherchieren und Anfragen entschied ich, meine Arbeit über das Kloster Wesemlin in Luzern, welches zur Schweizerischen Kapuzinerprovinz gehört, zu verfassen. Die Internetseite des Klosters verriet mir, dass die Niederlassung vor kurzem renoviert und umgebaut wurde. Ich erfuhr ebenfalls, dass die Kapuziner mit der Renovation und dem Umbau ein neues Konzept mit dem Namen «Oase-W» entwarfen, welches nun im Kloster umgesetzt wird. Diese Tatsachen liessen mich auf eine besonders gute Eignung dieses Klosters für mein Vorhaben schliessen.“

Das Kapuzinerkloster Wesemlin – Maturaarbeit  von David Kunz;  Oktober 2016

 

Als Beispiel für „interreligiöses Lernen“ stellte Niklaus Kuster am Dreikönigstag in einem Referat im Kloster Wesemlin, Luzern, Franz von Assisi vor. Mit Blick auf den Heiligen formulierte der Spezialist für franziskanische Spiritualität fünf Impulse für das christlich-muslimische Miteinander von heute:

  • initiativ sein: auf die Fremden zugehen
  • einander ohne Vereinnahmung begegnen
  • am Verbindenden anknüpfen
  • den Fremden Gutes tun
  • erst wenn die Menschen miteinander vertraut sind und wenn es Gott gefällt (Inschallah…) einander auf der spirituellen Ebene begegnen.

Der Referent hatte daran erinnert, dass Franz von Assisi in den Zeiten der Kreuzzüge mit dem Sultan von Ägypten in einen friedlichen Dialog trat. Dies habe damals völlig dem Zeitgeist widersprochen. Auf christlicher Seite seien ähnliche Töne zu hören gewesen wie heute mit umgekehrten Vorzeichen vom islamistischen IS: „Wenn man einen Muslim tötet, wird die Welt besser.“

Während seines Aufenthaltes bei den Muslimen hat Franziskus vom Islam gelernt, betonte Bruder Niklaus. Dem Beispiel des Muezzins folgend, sollten in den christlichen Kirchen akustisch zum Beten aufgefordert werden. So entstand das bis heute gängige Angelus-Leuten.

Die Muslime nennen voll Ehrfurcht die 99 Namen Allahs. Auch davon liess Franziskus sich inspirieren. In seiner Litanei vom Namen Gottes entsprechen sehr viel Ausdrücke den Begriffen, wie sie im Koran zu finden sind.

Niklaus Kuster befasste sich im ersten Teil seines Vortrags ausführlich mit den interreligiösen Friedensgebeten, die 1986 nicht zufällig ihren Ursprung in Assisi hatten. Im „Geist von Assisi“ hat es seither zahlreiche Begegnungen von Religionsführern gegeben. Im Jahr 2002 wurde dort in einer heute äusserst aktuellen Erklärung formuliert: „Gewalt und Terrorismus widersprechen dem authentischen Geist der Religionen.“

Entsprechend dieser Einsicht hat sich der Imam von Rouen geweigert, den Attentäter, welcher den dortigen Pfarrer ermordet hatte, als Muslim zu begraben. Solche Menschen seien „keine Muslime“ …

Am Schluss seines Referates zitierte Bruder Niklaus die Politikerin Barbara Schmid-Federer, die in der „Sternstunde“ des Schweizer Fernsehens vor Weihnachten mit Blick auf den islamistischen Terror erklärt hat: „Die Menschen kennen nur die Schreckens-Szenarien, aber nicht den Islam als Religion. Dies ist gefährlich.“

Br. Walter Ludin

 

Der weltweit anerkannte Franziskusforscher Oktavian Schmucki feierte im Kloster Luzern seinen 90. Geburtstag. Er konnte dabei sein druckfrisches Buch über die ersten Satzungen der Kapuziner entgegennehmen.

Fast die Hälfte seines Lebens hat der Jubilar in Rom verbracht, zuerst als Student, dann als Spezialist für franziskanische Geschichte. Seit 1997 lebt er in Luzern. Trotz nachlassenden Kräften hat er dort in den letzten Jahren die ersten Satzungen des Kapuzinerordens von 1536 übersetzt und kommentiert. In der Kirche des Wesemlin-Klosters Luzern wurden nach dem Festgottesdienst des Dreikönigstags das Werk und das langjährige Wirken von Bruder Oktavian gewürdigt.

Als erster gab Niklaus Kuster, ebenfalls ein Spezialist der franziskanischen Spiritualität, einen Überblick über das immense publizistische Werk des Jubilars. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen umfasst es auch sehr viele Artikel in Zeitungen und Zeitschriften (z.B. auch im Franziskuskalender).

Ulrich Köpf, ehemaliger Professor für Kirchengeschichte in Tübingen, Oktavians evangelischer Freund, bemerkte: „Ohne akademische Laufbahn gehört Oktavian Schmucki zu den besten Gelehrten franziskanischer Geschichte.“ Dennoch sei es erstaunlich: Die Seelsorge war für den Jubilar wichtiger als die Wissenschaft. Der Kapuziner sei ein Vorbild franziskanischen Gehorsams, auch von Menschenfreundlichkeit und Bescheidenheit.

Der deutsche Kapuziner Leonhard Lehmann, der in Rom das Werk Oktavians weiterführt und Festprediger des Dreikönigs-Gottesdienstes war, stelle am Schluss der Feier das neueste Buch des Gefeierten vor: die Übersetzung und Kommentierung der Ordensatzungen von 1536, publiziert in der Reihe „Quellen zur franziskanischen Geschichte“, Band 4, der Fachstelle Franziskanische Forschung, Münster. Sie seien eine Grundlage für die aktuellsten Satzungen der Kapuziner.

Während des Mittagessens im Speisesaal des Klosters Wesemlin gab Oktavian Schmucki in freier Rede einen Überblick über die wichtigsten Etappen seines Lebens. Mit tränenerstickter Stimme dankte er allen, die etwas zur gelungenen, für ihn überraschenden Feier beigetragen hatten.

Br. Walter Ludin

Weihnachten ist das Fest der Freude, das Fest der Liebe. Und die Krippe sagt sehr viel über uns aus, findet Bruder Hanspeter Betschart. Vor allem Ochs und Esel haben es ihm angetan. Interview: Dominik Buholzer  – Bericht aus der Luzerner Zeitung

Als Hanspeter Betschart dem Kapuzinerorden beitrat, waren seine Eltern nicht ganz unbesorgt: «Mach uns nur keine Schande!», sagten sie ihm. Die Sorge war unbegründet. Bruder Hanspeter Betschart wirkte zuerst während 17 Jahren am Kollegium St. Fidelis in Stans, das damals von den Kapuzinern geleitet worden war. Danach verschlug es ihn nach Olten, wo er ebenfalls während 17 Jahren als Pfarrer in der Altstadtpfarrei von St. Martin am linken Aare­ufer wirkte. Viele Leute nannten ihn Stadtpfarrer. «Wobei man bei den Leuten in Olten nie sicher wusste, ob sie Stattpfarrer meinten, weil sie anstelle eines richtigen Pfarrers einen Kapuziner bekommen hatten», scherzt er über seine Zeit von damals. Vor gut einem Jahr kam er ins Kloster Wesemlin, wo er zu Beginn als Guardian wirkte.

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