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Hoffnung schenken, Geschichten hören

Es war ein kalter Dezemberabend, als sich im Kloster Wesemlin etwas Besonderes anbahnte.

Schon beim Betreten des Hauses lag ein Duft in der Luft, der mehr versprach als nur ein gewöhnliches Abendessen. Heute war Samichlaus-Tag – und wer glaubt, das sei nur für Kinder, der irrt gewaltig.

Die Suppenstube-Gäste, die das ganze Jahr über hier ein warmes Essen finden, waren eingeladen, gemeinsam mit den Kapuzinerbrüdern und dem Suppenstube-Team einen Adventstag zu feiern. Doch bevor die Teller klapperten, begann alles mit einem Apéro. Ein grosser Tisch, viele Stimmen, und Geschichten, die man nicht vergisst. Manche erzählten von längst vergangenen Zeiten, andere von den harten Wegen des Lebens. Und mittendrin wir – Kapuziner, Klostergeschwister, Helferinnen und Helfer – mit offenen Ohren. Denn manchmal ist Zuhören das grösste Geschenk.

Dann kam Bewegung in den Raum: Geschenke wurden verteilt. Nicht in glänzendem Papier, sondern in Form von Wärme – Jacken, Pullover, und Wollsocken liebevoll genäht von einer Frauengruppe. Wer zusah, konnte sehen, wie Gesichter heller wurden. Ein Paar neue Schuhe kann mehr bedeuten als tausend Worte.

Und dann – die Geschichte, die alle zum Lachen brachte. Bruder Adrian erzählte von Samichlaus und Schmutzli, wie sie einst unterwegs waren, als plötzlich der Sack ein Loch bekam. Mandarinen kullerten in die Nacht, und Schmutzli rannte los, um alles wieder einzusammeln. Am Ende sassen beide am Feuer, Freunde fürs Leben. Kaum war die Geschichte zu Ende, öffnete sich die Tür – und tatsächlich: Der echte Samichlaus der Samichlausgesellschaft Wesemlin tritt ein und begrüsst alle persönlich. Ein Augenblick, der Herzen berührte.

Das Festessen? Ein Gedicht: Tomatenspaghetti, Pesto-Spaghetti, überbackener Fenchel, Rüebli und Bohnen, dazu Piccata Milanese. Einmal im Jahr sehen die Gäste den Koch, dessen Arbeit sie sonst nur schmecken. Heute war dieser Tag.

Doch hinter all dem Glanz liegen Geschichten, die schwer sind. Wie schlimm ist es, wenn jemand auf der Strasse lebt? Wenn der Körper nicht mehr mitmacht? Wenn die Psyche leidet? Wir können das nicht an einem Tag ändern. Aber wir können Hoffnung schenken – ein paar Stunden Licht in dunklen Zeiten.

Der Samichlaus-Tag im Kloster Wesemlin ist mehr als ein Anlass. Er ist ein Versprechen: Wir sind füreinander da. Und das macht unser Kloster lebendig.

- burder george