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Wer lebt alles im Klostergarten?

An einem sonnigen Tag war in unserem Klostergarten so viel Lachen zu hören, dass selbst die Spatzen in den Bäumen neugierig schauten.

Gegen achtzig Kinder aus dem Quartier kamen mit ihren Begleitpersonen zu Besuch – in vier fröhlichen Gruppen. Sie wollen wissen: «Was lebt alles hier? Können wir das Geheimnis entdecken?»

Die Apfelpergola ist wie ein geheimnisvolles grünes Tor – beim Hineingehen beginnt ein Abenteuer, das jedes Kind erleben möchte. Wir erzählen den Kindern von Franziskus, dem Freund aller Tiere, der sogar mit dem Wolf sprach und sagte: «Alle Lebewesen sind Brüder und Schwestern.»

Da gibt es Bruder Baum, der still seine Arme in den Himmel streckt, Schwester Biene, die fleissig summt, Bruder Igel, der im Laub schnarcht, und Schwester Amsel, die ihr Lied singt.  

Ein mutiger Junge fragt: «Sind wir Menschen dann die älteren Geschwister?» Vielleicht, sagen wir, denn die Menschen haben die grössten Häuser – aber die Welt gehört allen Lebewesen.

Im Garten entdecken die Kinder kleine Klösterli: eines für die Igel, eines für die Vögel, eines für die fleissigen Bienen und eines für die geheimnisvollen Käfer. 

Zwischendurch rennen sie lachend durchs Gras und rufen: «Wo versteckt sich Schwester Libelle?»

Hinter jedem Stein und unter jedem Blatt steckt eine kleine Geschichte – man muss nur still genug sein, um sie zu hören. Franziskus hätte sich über die neugierigen Fragen gefreut und über die leuchtenden Augen, die jedes Leben bestaunten.

Ein Mädchen ruft: «Tschüss, Bruder Fisch!», und alle winken lachend dem Teich zu. Da lächelt sogar die Sonne, als wollte sie sagen: «Ich bin eure Schwester, die euch wärmt.» Sind Ameisen auch Teil unserer Familie? Klar, auch sie gehören zu Franziskus’ bunter Geschwisterschar.  

Die Kinder rufen: „Grüezi, Bruder Baum!

Tschüss, Schwester Katze!“

Die Kinder stellen sich vor, wie die Welt wäre, wenn alle wie Franziskus leben würden – friedlich, neugierig und freundlich. Vielleicht denken sie nun anders über den Garten: als Ort voller Leben, Geschichten und Freundschaft. Und wer weiss – vielleicht wächst in ihnen ein kleiner Samen des Staunens, der einmal zu einem grossen Baum wird.

Beim Abschied rufen sie: «Dürfen wir wiederkommen?» Natürlich! Unser Garten wartet schon auf neue Entdeckungen und Geschichten.

Und wer weiss – beim nächsten Besuch entdecken wir das Märchen von Onkel Baum, Schwester Libelle oder Cousin Gänseblümchen.

Denn längst nicht alle Geschichten sind im Klostergarten schon erzählt…

- bruder george