Was hält, wenn alles weitergeht
Zwischen uns können sich Mauern aufrichten – sichtbar oder unscheinbar. Unausgesprochene Worte bleiben stehen, und ganze Jahre schieben sich wie breite Flüsse dazwischen. Doch all diese Grenzen sind menschengemacht. Sie schaffen Abstand, aber sie entscheiden nicht über das Letzte. Denn das, was wirklich verbindet, wirkt weiter – leise, verborgen, wie Wasser, das auch unter gefrorenem Boden nicht zum Stillstand kommt.
Im Lied «Famili» singt KUNZ von einer Treue, die nicht fragt, ob jemand passt oder verstanden wird. Von Geschwistern, die bleiben, selbst wenn Wege auseinanderlaufen und man nicht weiss, was der andere mit sich trägt. Man kennt den Rucksack des anderen nicht – und bleibt dennoch.
Vielleicht liegt darin der eigentliche Kern der Fastenzeit: nicht nur etwas wegzulassen, sondern neu hinzuschauen. Was gibt mir Halt? Wer trägt mich? Und: Für wen bin ich selber ein tragender Grund?
Es gibt eine Treue, die älter ist als jedes menschliche Versprechen. Sie stellt keine Bedingungen, fordert keine Leistung und misst nicht, ob jemand würdig ist. Sie ist einfach da – wie eine Stille, die gefüllt ist, nicht leer. Wie ein Licht, das durch einen Spalt fällt, ohne zu fragen, ob der Raum es verdient.
Diese Zeit lädt ein, bei dem innezuhalten, was bleibt. Bei den Menschen, die uns wirklich kennen. Und bei dem, der uns zuerst kannte – und der sagt: Ich bin bei dir. Nicht irgendwann. Jetzt.
Und in dieser Gewissheit beginnt etwas zu leben, das lange stillgelegen hat.
— bruder george, Talia
Inspiriert vom Lied «Famili» von KUNZ.