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Wenn Licht, Gemeinschaft und Freude zusammenkommen

Zur Weihnachtszeit gehört sie fest zum Leben im Kapuzinerkloster Wesemlin: die Gemeinschaftsfeier der Brüder am Abend des 25. Dezember.

Nachdem wir tagsüber in verschiedenen Kirchen die Weihnachtsliturgien gefeiert haben, kommen wir am Abend still zusammen. Ohne äusseren Druck, ohne Erwartungen von aussen. Einfach als Brüder, die den Weihnachtstag gemeinsam ausklingen lassen.

Dieses Jahr wurde der Abend von Bruder Pascal gestaltet. Seine Weihnachtsbesinnung war ruhig, weit und zugleich sehr nah am Leben. Ausgangspunkt war ein schlichter, aber kraftvoller Satz aus dem ersten Johannesbrief: Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm. Wenn Gott Licht ist, so seine Überlegung, dann ist auch der Mensch letztlich Licht.

Drei Symbolbilder begleiteten diese Gedanken: der Mensch beim Arbeiten, beim Zusammensein und Austauschen, beim Ausruhen. Drei einfache Bilder, die viel vom Menschsein erzählen. Dazu kam ein Text von Ernesto Cardenal über Weltall und Mensch. Er öffnete einen grossen Horizont: Wenn wir in einer sternenklaren Nacht die Unermesslichkeit des Universums betrachten, wird sie noch grösser, wenn wir uns in unsere eigene Seele vertiefen. Das Weltall sind wir selbst. Das Universum betrachtet sich selbst – durch uns.

Die Materie unseres Körpers ist dieselbe wie die der Sterne. Das Kalzium in uns stammt aus dem Meer, aus dem alles Leben hervorgegangen ist, und findet sich auch in den interstellaren Räumen. Alles ist miteinander verbunden. So wurde Weihnachten neu hörbar: Die Menschwerdung Gottes betrifft nicht nur einen einzelnen Menschen, sondern die ganze Schöpfung. Im Leib Christi ist die gesamte Natur eingeschlossen. Wir sind der mystische Leib Christi – gemeinsam mit der ganzen Welt.

Ein weiterer Text, Gedanken von Martin Gutl, führte nach innen. Er sprach von Worten, die leicht dahingesagt werden, von Schweigen, das heilt, und von Gesprächen, die uns neu zueinander führen. Wenn die Schale abfällt und der Kern sichtbar wird, erkennen wir: Er ist da. In ihm verstehen wir uns selbst und einander neu.

Nach dieser stillen Tiefe wurde es fröhlich. Denn diese Gemeinschaftsfeier ist mehr als eine Besinnung – sie ist auch ein Fest. Beim Fondue zeigte sich das wahre Leben: Brüder, die heimlich Fleisch aus fremden Pfannen fischen, andere, die geduldig suchen. Einige hatten plötzlich vier Gabeln, andere nur eine. Kleine Ungleichheiten, viel Gelächter, manchmal ein wenig Drama – und ganz viel Leben. Es wurde geteilt, geneckt, gelacht. Genau das schuf diese besondere, entspannte Stimmung.

Auch Geschenke gehörten zu diesem Abend: feiner Wein, Kuchen, Weihnachtsguetzli und viele liebevoll geschriebene Karten mit Weihnachtsgrüssen und Dankesworten aus ganz verschiedenen Richtungen. Diese Zeichen der Verbundenheit machten spürbar, dass unsere Gemeinschaft getragen wird – von Menschen, die mit uns denken, beten und fühlen. Dafür sagen wir von Herzen Danke.

Im Laufe des Abends, wenn an Weihnachten etwas mehr gefeiert und auch ein Glas mehr getrunken wird, kommen gelegentlich politische Meinungen zum Vorschein. Auch das gehört dazu. Am Ende aber überwog die Freude. Gemeinschaft. Ein Zusammensein, das sich leicht und zugleich tief anfühlte. Fast himmlisch.

In seiner kurzen Dankesrede erinnerte der Guardian daran, dass solche Abende nicht von selbst entstehen. Viele Hände tragen dazu bei: in der Küche, in der Kirche, im Refektorium, bei den Texten, der Dekoration, der Webseite, den Fotos. Besonders dankte er den älteren Brüdern, die das ganze Jahr über so viel beitragen – als Fundament unserer Gemeinschaft. Und natürlich dem Küchenteam: nicht Betty-Bossi-mässig, sondern Moorthy-und-Dogwiler-mässig – also richtig gut.

Ein besonderer Moment war auch die Begrüssung eines Mitbruders, der derzeit nicht in der Gemeinschaft lebt, weil er an einem anderen Ort als Bischof wirkt. Mit einem gemeinsamen Gloria, Gloria, Gloria in excelsis Deo wurde spürbar: Gemeinschaft kennt keine Distanz.

Vielleicht ist das das Unmögliche, das an Weihnachten geschieht: Gott wird Mensch – und Liebe wird konkret. Still und fröhlich zugleich. Wer diesen Abend erlebt hat, weiss: Weihnachten hat hier nicht nur eine Liturgie – es hat ein Gesicht. Und ein Herz.

- bruder george