Zum Hauptinhalt springen

Bruder Adolf Schmitter

Probieren, auch wenn es nicht immer gelingt

Bruder Adolf Schmitter, der seit gut zwanzig Jahren im Kapuzinerkloster Wesemlin lebt und am 21. Februar seinen neunzigsten Geburtstag feiern darf, hat in dieser langen Zeit das geistliche Leben des Hauses in stiller Treue und grosser Herzlichkeit mitgetragen.

«Glaube bedeutet Weg und mein Glaubensweg gab mir Lebens-Sinn – auch wenn ich die franziskanische Spiritualität nicht immer lebe», stellt Bruder Adolf Schmitter fest. Dabei ist ihm die Aussendung der Jünger durch Jesu stets eine biblische Stelle, die ihn auf seinem Weg begleitet hat (Lk 9,1-6). «Gott kennt mich und ist mit mir», prägt seine Lebenserfahrung. «Er weiss, was zu mir passt und was nicht». Bruder Adolf erlebt sich Aug in Aug mit Gott – trotzdem, es dürfte mehr sein, ergänzt er schmunzelnd.

Wie Religion vermitteln?

Das kapuzinische Leben schickte den Kapuziner nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe in Solothurn auf den Weg. 1963 als Katechet vom Kloster Sursee aus ins Luzerner Hinterland zu Sechstklässler. Doch wie unterrichtet man Religion ohne katechetische Ausbildung?  Eine Frage, die ihn intensiv beschäftigte.  Er erinnere sich noch an die Antwort von Hilarin Felder, Leiter des Theologiestudiums Solothurn, der im Entlebucher-Dialekt sagte: «Das geyht de scho»

1964 dislozierte Bruder Adolf ins Kapuzinerkloster Zug, von wo aus er Religionslehrer bei den Sekundar- und 18jährigen Handelsschülerinnen im Mädchen-Institut Maria Opferung wurde

Gleichzeitig öffnete in Luzern das neu gegründete katechetische Institut seine Tore, eine berufsbegleitende Ausbildung zur Katechetin / zum Katecheten und befähigt, Religionsunterricht zu erteilen..

Br Adolf benützte diese Gelegenheit und besuchte Kurse, die ihm halfen, methodisch abwechslungsreich und lebensnah die jugendlichen Schülerinnen zu unterrichten.

So hatte er einmal bei den 17-18 jährigen Schülerinnen eine zündende Idee. Ein Trimester lang mussten oder durften immer zwei Schülerinnen eine  Religions-Stunde vorbereiten und halten zu Themen, die sie  auswählen konnten oder mit denen sie sich beschäftigten. Ihm war wichtig, dass diese jungen Frauen lernten, ihre Wünsche und Probleme auch vom religiösen Standpunkt her zu hinterfragen und Lösungen zu finden. Dabei setzte sich Bruder Adolf unter die Schülerinnen und beteiligte sich an den kritischen Rückfragen. Diese Unterrichts-Methode habe den Schülerinnen gefallen.

Von 1971-1995 wechselte Br. Adolf in ein neues Arbeitsfeld.  Er wurde Arbeiterseelsorger In Ob- und Nidwalden. Die Katholische Arbeiterbewegung KAB war im Aufwind in verschiedenen Pfarreien. Aufgabe von Br. Adolf war es, an den Jahresprogrammen mitzuplanen und mitzuwirken in sozialen Seminarien und Vorträgen zu aktuellen Problemen und Fragen in der Kirche und Arbeitswelt., in Diskussionen und Entscheidungen, in Gottesdiensten, Wallfahrten und Exerzitien.

Gegen Stress im Beruf und Arbeitswelt lud Bruder Adolf zur Entspannung und Ruhe in den Meditationsraum des Kollegiums St. Fidelis Stans ein. Aber auch sonst hielt er dort gerne Meditationen für und mit Gruppen. Als Einstimmung benutzte er jerne sein Lieblingsgebet vom Bruder Klaus: «Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir; gib alles mir, was mich führet zu dir; nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir».

Plötzlich Pfarreiseelsorger

Bruder Adolf, wollte nach Spezialseelsorge wie Katechese, Arbeiterseelsorge und Erwachsenenbildung -  auch noch Pfarreiseelsorge erleben und mitgestalten helfen. Im neuen Gemeindeleitungsmodell der Pfarrei Ennetmoos wurde er Pfarreiadmini-strator und wirkte als Priester und Seelsorger in den verschiedenen Stufen, Lebens- und Glaubensphasen von den Säuglingen bis zu den Betagten. Dabei stand ihm ein Gemeindeleiter zur Seite -  zuerst Hans Schelbert, der als Mitarbeiter in einer anderen Pfarrei schon etwas Pfarrei-Erfahrung hatte, Das Neue Modell Pfarreileiter und Priester findet Br. Adolf eine gute Sache, voraus-gesetzt, dass es im Team stimmt.

Nach 10 Jahren suchte Hans Schelbert ein neue Pastoralstelle. Ihn löste Markus Blöse aus Deutschland als neuen Pfarreileiter ab. Mit ihm zusammen planen und wirken findet Bruder Adolf ein Geschenk und neu auch mit der Seelsorgerin Astrid Elsener.

Die verschiedenen Tätigkeiten und Einsätze haben Bruder Adolf stets herausgefordert und auch heute noch ist er – wenn nicht im Wesemlin – in Ennetmoos zu finden, so dass Mitbrüder ihn auch schon mal fragten: «Bist du eigentlich mit Ennetmoos verheiratet». «Schon ein wenig», meinte er.  Nicht zu vergessen ist, dass Bruder Adolf den heutigen Guardian vom Wesemlin ab 2011 in Ennetmoos in helvetische Kirchenverhältnisse einführte.

Ein grosser Bücher-Leser war Bruder Adolf nie. Bücher über Spiritualität und Lebenskunst vom Therapeut und Seelsorger Anselm Grün gaben und geben ihm mit, wonach sich Menschen sehnen: innere Ruhe, Seelenfrieden, Gelassenheit, Einklang mit sich selber, die eigene Mitte finden. Anselm Grün zeige auch Wege dazu auf..

Was in der Welt und Kirche geschieht, fragt er sich: was ist wirklich wesentlich? Was weiss ich? Was will ich wissen und was muss ich wissen? Da orientiert er sich hauptsächlich in den verschiedenen Medien.oder Unterlagen.

Was seine Gesundheit betrifft ist er seit 2021 nach einem Zusammenbruch im Gottesdienst und anschliessendem kurzen Spitalaufenthalt stark auf Medikamente (Blutverdünnung, Altersepilepsie, Leistenbruch und anderes mehr) angewiesen. Seine beste Medizin sei aber: «Ich bin in Gott verankert und gehalten»

Was Bruder Adolf in letzter Zeit am meisten ärgert ist die Gedächtnis- und Konzentrations-Schwäche. Formulierungen fallen ihm heute schwerer. «Früher konnte ich nur noch so schwaffeln», meint er keck. Und trotzdem gibt es auch heute noch Momente, wo Bruder Adolf red- und leutselig, ja gottselig ist. Dazu wünschen wir ihm noch viele schöne Begegnungen und frohe Jahre.

Bruder Adrian Müller