Bruder Josef Bründler
Bruder Josef Bründler, der seit zwei Jahren in Luzern lebt und vorher im Kloster Olten als Guardian wirkte. Heute darf er versöhnt und dankbar durchs Leben gehen.
In Bruder Josef Adern fliesst Blut von Bruder Klaus. Ihm gefällt das Buch «Fernnahe Liebe» von Niklaus Kuster und Nadia Rudolf von Rohr. Das Buch erzählt von Bruder Klaus aus der Sicht seiner Frau Dorothea. Die Beziehung meiner beiden «Verwandten» ist spannend. Ich liebe historische Romane», antwortet Bruder Josef lachend auf den Buch-Tipp. Gut, vielleicht müsste man statt Fachbücher mal einen fesselnden Roman zu Bruder Klaus schreiben! Glänzende Augen bekommt Bruder Josef, wenn er von Ken Follet und dessen historischen Romanen erzählt. Diese hätten mehr als tausend Seiten erzählt Josef glücklich. Gelesen wird abends im Bett. Ich merke dies dann morgens beim Aufstehen – und wohl die Mitbrüder im Morgengebet.
Menschlich und dankbar
Eben hat Bruder Josef einen Roman von Martin Sutter begonnen: Der letzte Weynfeldt. Suter habe wie Ken Follet eine menschliche Art Geschichten zu erzählen. Ein menschlicher Erzählstil meint erstens eine verständliche Sprache und spannende Alltagssituationen. Der letzte Weynfeldt sei ein alter Mann mit seinen «Mücken und Tücken»; er gestalte sein Leben originell. Originelle Menschen mag Bruder Josef sehr. Er selbst müsse nicht mehr viel verändern und auf den Kopf stellen. Versöhnt und dankbar gehe er heute durchs Leben.
Bruder Josef stammt aus einfachen und bescheidenen Verhältnissen. In der Familie zählten die Beziehungen und das schenkte ihm eine gute Beheimatung. Dankbar dürfe er auf seine Kindheit wie auf sein Leben zurückschauen. Seine Familie war ihm ein Geschenk und dann auch das Ordensleben. Dabei betont er jedoch, dass sie damals zehn junge Männer waren, die sich auf den Weg gemacht haben. Und es sei wichtig gewesen, dass sich die Kursgenossen gegenseitig gestützt und motiviert hätten. Das sieht er heute als eine grosse Schwierigkeit für junge Brüder, die zumeist ziemlich alleine auf den Weg gingen. Ob er ohne Kursgenossen da wäre, wo er heute ist, weiss er nicht genau.
Da lief nicht alles Rund
Klar dürfe man ihn fragen, wieso er sich versöhnen musste. Er habe im Leben einiges bereut. In der Studentenzeit war er in der Studentenverbindung und habe da mehr Geld verprasst, als er eigentlich hatte. Das wäre nicht nötig gewesen. Auch mit Rauchen habe er bis zum 12.12.2012 viel Geld verpufft. Nein, seither rauche er nur noch in den Träumen, meint er schmunzelnd. Jetzt sei die Freiheit aber wieder zurück. Nicht die körperlichen, aber die psychischen Folgen der Sucht waren erheblich. Auch sein Umfeld habe bei seinem Rauch-Stopp gelitten. Arme Mitbrüder!
Wie bei Bruder Adolf ist Bruder Josef das Gebet von Bruder Klaus sehr wichtig. Es ist unter anderem das Gebet von einem Verwandten, meint er mit einem gewissen Schalk. Im Bruder-Klausen-Gebet spricht ihn der Ausdruck von Vertrauen in Gott sehr an. Hinzu kommt, dass Bruder Klaus auch aus diesem Vertrauen lebte und handelte: «Klaus hat es auch vorgelebt!» Bruder Klaus konnte nur aufbrechen und gehen, weil er «dem Herrgott vertraute». Wichtig ist Bruder Josef auch, dass dieses Gebet in die Volksfrömmigkeit einging und Menschen es in jeder Situation beten können.
Menschen-nah
«Volksfrömmigkeit prägt mich sehr und schätze ich enorm», betont Bruder Josef. So waren auch die Geheimnisse des Rosenkranzes ein steter Begleiter von Jugend an. Darin formuliert sich ein tragendes Glaubensfundament. Wenn er im Kloster ein Gemeinschaftsgebet verpasse, dann meditiert er im Zug oder beim Gehen diese Glaubensgeheimnisse und sie sind ihm Nahrung. Ja, vor der Volksfrömmigkeit habe er Respekt!
Die fünfzehn Geheimnisse der drei Rosenkränze sind wie ein Geländer und in Gedanken lässt sich gut damit entlang gehen. Plötzlich beginnt Bruder Josef zu lachen: «Sie sind natürlich auch eine gute Gedächtnis-Stütze!» Häufig zelebriert Bruder Josef in Kirchen der Umgebung. Da läuft er gerne zu Fuss hin und macht sich bewusst und meditativ auf den Weg. In Gedanken nehme er da oft auch Menschen, sie sich ihm anvertraut haben, mit. Aber, nein, in schwierigen Zeiten bete ich eher nicht. Es ist nicht die Not, die ihn beten lehrt.
Macht euch keine Sorgen
Nehemia 8,10: Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. Ist Bruder Josefs liebstes Bibelzitat. Und wer mit ihm zusammenlebt, hat dieses Zitat auch schon gehört. Diese Worte fanden ihn vor langer Zeit, als er sich für Exerzitien zurückgezogen hatte. Es ist dies ein Grundgedanke, der ihn seither begleitet und macht immer wieder Eindruck auf ihn. «Der Glaube schenkt mir Freude am Leben!» Und das gäbe auch Freude an Gott selber.
Post Scriptum: Hier noch das ganze Nehemia-Zitat, weil es auch zu Bruder Josef Bründler passen würde: Dann sagte Nehemia zu ihnen: Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süssen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre unseres Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.
Bruder Adrian Müller